Ratgeber

Wie lange sollten Kinder rückwärts fahren?

Kindersitz rückwärts
Paul Lindner
Geschrieben von Paul Lindner

Kleinkinder sollten so lange wie möglich rückwärtsgerichtet mitfahren

In Deutschland dürfen Sie Ihren Nachwuchs nur mit einem entsprechenden Kindersitz im Auto mitnehmen bevor dieser nicht mindestens 12 Jahre alt oder 1,50 Meter groß ist. Babys und sehr kleine Kinder sollten rückwärtsgerichtet sitzen. Hierzulande ist es Pflicht, dass die Kleinen bis (mindestens) zum 15. Lebensmonat entgegen der Fahrtrichtung transportiert werden.

Laut Dr. Cora Behnisch-Gärtner von der Kinder­orthopädie der Technischen Universität München ist die Muskulatur der Babys und Kleinkinder für ihren großen und schweren Kopf noch zu schwach. Deshalb kann der Kopf nach Aussagen der Ärztin bereits bei einer geringen Geschwindigkeit nach vorne fallen. In der Folge könnte es beim Transport in Fahrtrichtung zu schweren Verletzungen der Halswirbelsäule kommen.

Was rückwärts gerichtete Kindersitze bringen

Kinder rückwärts fahren

Was rückwärts gerichtete Kindersitze bringen

Die Frage: Wie lange die Sprösslinge im Auto rückwärtsgerichtet mitfahren sollen, sorgt häufig für Verunsicherung bei den Eltern. Zu diesem Thema gibt es mittlerweile auch eine neue Empfehlung eines US-Kinderschutzbundes (American Academy of Pediatrics), die besagt, dass Kinder bis zu ihrem vierten Lebensjahr im Kindersitz rückwärts gerichtet mitfahren sollen.

Zuvor wurden von der Akademie Rückwärtssitze bis zu einem Alter von 24 Monaten empfohlen. Der „Auto- und Reiseclub Deutschland“ (ARCD) rät, frühestens auf einen vorwärtsgerichteten Sitz umzusteigen, wenn der Kopf des Kleinkindes über die Rückenlehne der Babyschale hinausragt.

Sind nach hinten gerichtete Kindersitze (Reboarder) für Kinder sicherer?

In sogenannten „Reboardern“ können Kinder rückwärts fahren. Bei dieser Art von Kindersitzen handelt es sich meist um Babyschalen der i-Size-Norm, in denen Ihr süßer Nachwuchs bis mindestens 15 Monate befördert wird. Beim ADAC empfiehlt man die Kleinkinder (die der Babyschale entwachsen sind) bis zu einem Alter von mindestens zwei Jahren im Kindersitz rückwärts mitfahren zu lassen. Die Experten beim ADAC sind zudem der Meinung, dass beim Kindersitz rückwärts die Belastung bei einem Frontalcrash breitflächig über den Rücken der kleinen Fahrzeuginsassen übertragen wird.

Folglich werden keine erhöhten Kräfte auf den Hals auftreten können. Reboarder erhöhen die Sicherheit – sie brauchen aber auch mehr Platz im Wagen. Wenn Sie Ihr Kind in einem rückwärtsgerichtetem System auf dem Beifahrersitz transportieren, dann müssen Sie unbedingt den Airbag deaktivieren. Wollen Sie den rückwärtsgerichteten Kindersitz auf die Rückbank einbauen, dann müssen Sie den Beifahrersitz weit nach vorne schieben, damit Ihr Kind die Beine richtig ausstrecken kann. Auf dem Beifahrersitz ist dann allerdings meist keine ordnungsgemäße Sitzposition mehr möglich.

Vorgaben der ECE-Regelung in Deutschland

Zur Frage: Wie lange rückwärts fahren, gibt es hierzulande eine ECE-Regelung. Sie besagt, dass Kleinkinder mit einem Körpergewicht unter 13 Kilogramm (bis zu einem Alter von acht bis neun Monaten) nur rückwärtsgerichtet, entgegen die Fahrtrichtung befördert werden dürfen.

Babys werden in einer Babyschale auf dem Beifahrersitz transportiert. Vorher muss der Airbag ausgeschaltet werden. Kinder bis zu 15 Monaten dürfen nur in einem rückwärtsgerichteten Sitz, der nach der ECE-Norm R129 zertifiziert wurde mitgenommen werden. Für Kleinkinder bis zu vier Jahren, mit einem Körpergewicht bis 18 Kilogramm wird ebenfalls empfohlen, den Sitz entgegen die Fahrtrichtung auszurichten.

Der Paragraph 21 der Straßenverkehrsordnung (Stand Februar 2016) besagt zudem, dass Kinder unter 150 cm, die das 12. Lebensjahr noch nicht abgeschlossen haben, nur in einem adäquaten Kindersitz transportiert werden dürfen. Dazu gibt es vom Gesetzgeber noch eine Zusatzregelung. Dort heißt es: Wenn sich auf der Rückbank bereits zwei Autokindersitze befinden und der Platz für ein drittes Rückhaltesystem fehlt, dann darf beim dritten Kind (sofern das dritte Lebensjahr vollendet wurde), vom Kindersitz abgesehen werden.

Dabei sollte aus praxisnaher Empfehlung beim größten und schwersten Sprössling auf den Autokindersitz verzichtet werden. Allerdings muss auch dieses Kind per 3-Punkt-Gurt gesichert sein, andernfalls ist eine Beförderung untersagt. Erst wenn der Nachwuchs eine Körpergröße über 1,50 Meter oder das 13. Lebensjahr erreicht hat, ist er von der Nutzung des Kindersitzes im Auto befreit.

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Paul Lindner

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